Herkunft und Zeitraum

Der Begriff „Wikinger" bezeichnet die Bewohner Skandinaviens – heutiges Norwegen, Schweden und Dänemark – während der sogenannten Wikingerzeit. Historiker datieren diese Epoche meist auf die Jahre 793 bis 1066, beginnend mit dem berühmten Überfall auf das Kloster Lindisfarne in England und endend mit der Schlacht bei Hastings.

Das altnordische Wort „víkingr" bezeichnete ursprünglich jemanden, der auf Raub- oder Handelsfahrt ging – nicht ein ganzes Volk. Erst später wurde der Begriff zur Sammelbezeichnung für die Menschen Skandinaviens in dieser Zeit.

793 Überfall auf Lindisfarne, Beginn der Wikingerzeit
~900 Besiedlung von Island
1066 Schlacht bei Hastings, Ende der Wikingerzeit
„Nicht jeder Skandinavier war ein Wikinger – aber jeder Wikinger war ein Skandinavier.“

Mehr als nur Krieger

Das gängige Bild vom hornbehelmten Krieger ist historisch nicht korrekt – Hörner an Helmen sind eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Tatsächlich war die überwiegende Mehrheit der Wikinger keine Krieger, sondern:

  • Bauern, die Vieh hielten und Getreide anbauten
  • Handwerker, die Schmuck, Werkzeuge und Textilien herstellten
  • Händler, die Waren zwischen Skandinavien, Europa und dem Nahen Osten austauschten
  • Seefahrer, die mit ihren Langschiffen weite Strecken zurücklegten

Nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Bevölkerung zog tatsächlich auf Raubzüge aus – meist jüngere Männer, die sich auf diesem Weg Ansehen und Wohlstand erhoffen konnten.

Warum die Wikinger auszogen

Die Gründe für die Expansion der Wikinger ab dem späten 8. Jahrhundert werden von Historikern bis heute diskutiert. Mehrere Faktoren spielten wahrscheinlich zusammen:

Bevölkerungswachstum

Skandinavien bot nur begrenzt fruchtbares Land. Wachsende Bevölkerungszahlen erhöhten den Druck, neue Siedlungsgebiete und Ressourcen zu finden.

Technologischer Vorsprung

Die Entwicklung des Langschiffs ermöglichte schnelle, seetüchtige Fahrten über offene Gewässer und auf Flüssen weit ins Landesinnere – ein entscheidender strategischer Vorteil.

Politische Instabilität in Europa

Das geschwächte Frankenreich und die zersplitterten angelsächsischen Königreiche boten wenig organisierten Widerstand gegen Überfälle, was Raubzüge vergleichsweise risikoarm machte.

Gut zu wissen

Die Wikingerzeit war keine einheitliche Epoche mit einem klaren Anfang. Archäologische Funde zeigen, dass Handelskontakte zwischen Skandinavien und dem Rest Europas schon Jahrhunderte vor 793 bestanden.

Die drei großen Expansionsrichtungen

Die Wikinger zogen in unterschiedliche Richtungen aus, oft mit verschiedenen Zielen:

  1. Westen: Britische Inseln, Irland, später Island, Grönland und sogar Neufundland
  2. Süden: Frankreich, Spanien und das Mittelmeer, teilweise bis nach Sizilien
  3. Osten: Über russische Flüsse bis ins Byzantinische Reich und nach Bagdad – diese Wikinger wurden oft als „Rus" bezeichnet

Diese drei Richtungen erklären, warum sich Wikinger-Spuren heute über einen so großen geografischen Raum finden lassen, von Neufundland bis nach Istanbul.